AMG E 63 S 4MATIC+ – Die Krone der E-Klasse

31. Oktober 2016

Wer sonst, wenn nicht AMG, hätte die E-Klasse an die Spitze der Ingenieurskunst katapultieren können? Fahrdynamisch und technisch setzt die Powerlimousine E 63 4MATIC+ neue Benchmarks auf einem Level, dem man sich kaum entziehen kann. Die Frage, wer so ein Auto eigentlich braucht, lassen wir mal beiseite, die angesprochene Klientel wird wahrscheinlich sowieso Schlange stehen. Obwohl auch sie noch etwas Geduld aufbringen, ist doch die Weltpremiere auf den 16. November datiert (Los Angeles Auto Show), die Verkaufsfreigabe auf den 16. Januar 2017 und die Markteinführung auf den darauffolgenden März.

Servicehinweis des Herstellers

Die Servicehefte entfallen und werden durch digitale Servicenachweise ersetzt.
Die Werkstatt muss sich beim herstellereigenen Portal anmelden und registrieren oder für die Eintragung des Services einen Markenhändler aufsuchen. (gilt nur für Deutschland). Bekannt ist außerdem, dass die zur Motor- und Ventilsteuerung verbauten Steuerketten weitgehend wartungsfrei bleiben.

Mobility at the top

Die riesigen Lufteinlässe scheinen die Straße aufsaugen zu wollen, das restliche Grill- und Scheinwerfer-Design wirkt da fast ein wenig brav. Dennoch wird es dem AMG nicht an Überholprestige fehlen, wenn er im Rückspiegel auftaucht. Im Vorbeiziehen könnte man einen Blick auf die 19-Zöller erhaschen, hinter ihm herfahrend die doppelflutigen Auspuffrohre bewundern und sich angesichts des aufgesetzten Heckspoilers fragen, ob es AMG mit diesem Feature nicht ein wenig übertrieben hat.

Schön geht anders … Schön und wirklich sehenswert gelungen ist beispielsweise das Cockpit. Auch wenn die Meisten aus Mangel an Möglichkeiten keine direkte Vergleichsmöglichkeit haben – es erinnert in seiner Gesamtheit tatsächlich an das Instrumentarium eines Kampfjet-Cockpits. Hier ist alles vom Feinsten und aus dem Vollen geschöpft. Selbst das unten leicht abgeflachte Lenkrad macht auf Sportlichkeit, die breite Mittelkonsole wird von einem futuristisch anmutendem Wählhebel dominiert, der geradezu auffordert, dem AMG die Schub-Sporen zu geben.Und das entpuppt sich schnell als ein Fahrerlebnis der besonderen Art.

Darf es etwas mehr sein?

Das mehr an Leistung kommt über eine Hubraum-Reduzierung auf nunmehr vier Liter zustande. Als Basis des V8 stehen 571 PS zur Verfügung, im „S-Modell“ sogar 612 Pferdestärken, die dem Fahrer außerdem noch einen Drift-Modus anbietet, der die E-Klasse dann zum Hecktriebler macht. Serienmäßig verbaut ist allerdings der Allradantrieb inklusive variabler Kraftverteilung. Bleiben wir aber beim Biturbo, der über Twinscroll-Turbolader, neue Kolben und Ladeluftkühlung verfügt. Daraus entwickelt der E63 750, der S 850 Nm Drehmoment – in beiden Versionen sind Standardsprints in der kurzen Zeit von maximal 3,4 Sekunden erledigt. Die 250er km/h-Marke ist Standard, aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Denn zusammen mit dem optionalen Driver`s Package endet die schnelle Fahrt erst bei 300 km/h.

Stilllegung in Aussicht

Jetzt geht es nicht um die Sprintqualitäten des AMG, sondern um das Thema Spritsparen. Das nämlich hat der E63 auch drauf, wozu er im sog. Teillastbereich sowie im Modus Comfort vier seiner acht Zylinder stilllegt bzw. abschaltet. Genauer gesagt schließen dabei die Zylinder zwei, drei, fünf und acht. Laut Hersteller sollen Fahrer und Insassen davon aber gar nichts mitbekommen. Ähnliches gilt auch für die Automatik mit ihren insgesamt neun Stufen. Im Hintergrund arbeitet eine nasse Anfahrkupplung, eine Technik, die den üblichen Drehmomentwandler unnötig macht. Außerdem wird das Ansprechverhalten verbessert.

Kommen wir zum Plus des 4MATIC-Allradantriebs. Plus bedeutet in diesem Falle die Verwendung einer elektromechanisch geregelten Kupplung. Ihre Aufgabe ist die variable Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse, woraus der Wegfall einer Momentverteilung resultiert. An der Hinterachse werkelt außerdem ein Sperrdifferential, die im S-Modell unter elektronischer Überwachung steht. Erwähnenswert sind auch die größeren Bremsscheiben vorne sowie dynamische Motorlager und das Air Body Control-Fahrwerk samt Luftfederung. Selbst die Servounterstützung der variabel übersetzten Lenkung ist in drei Stufen wählbar.

Ein letztes Zucker`l

Ab Verkaufsbeginn wird die stärkste E-Klasse auch in einer Edition-one-Version angeboten, und zwar für zwölf Monate. Lackiert ist das Sondermodell in der Farbe Night Black Magno, die Seitenschwellerverkleidungen tragen Zierstreifen, das Schuhwerk besteht aus 20-Zoll-Rädern. Platz nehmen kann man in Performance-Sitzen und auf feinem Nappaleder in schwarz, kontrastiert durch gelbe Ziernähte. In der gleichen Farbe ist auch die 12-Uhr-Markierung auf dem Lenkrad gehalten, das mit Microfaserstoff bezogen ist. Besonderes Merkmal sind auch Carbon-Zierteile sowie eine Uhr im IWC-Look. Kleiner Nachteil: Noch hat sich Mercedes nicht zu den Preisen der neuen Modellreihe geäußert. Aber was nicht ist, wird sicher bald werden.

Datum:               31.10.2016
Verantwortlich:      red/Michael Vogt (michael-vogt@netzwunder.com)
Bildquellen:         Presse/© Mercedes-Benz 31.10.2016